Kleine Messer, die unterschätzte Gefahr
Frau sticht Mann mit Küchenmesser nieder. Nebenbuhler durch Messer schwer verletzt. Jeder kennt diese Meldungen und kann leider regelmäßig in den Medien darüber lesen. Je größer das Messer desto gefährlicher die Situation. Leider nehmen viele Menschen an, dass ein kleines Messer eine geringere Gefahr darstellt. Das ist ein potentiell tödlicher Irrtum! Warum dem so ist und warum auch kleine Messer potentiell tödlich sein können, wollen wir in diesem Artikel näher betrachten.Auf einem unserer vergangenen EDP-Seminare fragte mich ein Teilnehmer ab welcher Klingenlänge ein Messer tödlich ist. Ich antwortete ihm, dass jedes Messer tödlich sein kann, wenn der Angreifer weiß was er tut!
Tatsache ist, die Chance durch einen Stich mit einer 30cm langen Klinge eine tödliche Verletzung zu erleiden ist größer als bei einem Messer mit nur 5cm langen Klinge. Geschick und körperliche Konstitution des Angreifers einmal außer Acht gelassen. Ein großes Messer verursacht größere Wunden als ein kleines Messer. Also sind lange Klingen gefährlicher als kurze Klingen! Auf den ersten Blick richtig, aber so einfach ist es leider nicht! Der Einfachheit halber gehe ich jetzt davon aus, das wenn ich von großen Messern schreibe, damit auch lange Klingen meine und wenn ich von kleinen Messern schreibe, kurze Kingen meine.
Wo liegt die besondere Gefahr von kleinen Messern?
Wie ich vorhin bereits erwähnt habe, ist das Verletzungspotential bei einem großen Messer für das Opfer größer als bei einem kleinen. Das Problem bei kleinen Messern ist die Tatsache, dass sie leichter zu verbergen sind und oft auch selbst in geöffnetem Zustand (wenn es sich um ein Klappmesser handelt) in der offenen Hand des Angreifers nicht zu erkennen sind. Gerade darum ist es so wichtig, immer davon auszugehen, dass der Angreifer bewaffnet ist!
Ein kleines Messer wird auch bei einer Kontrolle leichter übersehen. Noch bei keinem Konzert oder Discobesuch wurde mir mein Klappmesser, das ich immer am Schlüsselbund trage abgenommen. Da bei Einlasskontrollen meist nur oberflächlich abgetastet wird, wird es meist von der Security gar nicht entdeckt.
Verstehen sie mich bitte nicht falsch, ich trage mein Schlüsselbundmesser für alltägliche Arbeiten (wie die meisten anderen Menschen auch), wie z.B. das Öffnen von Kartons, nicht um es als Waffe zu benutzen!
Fakt ist: Ein kleines Messer ist leichter zu verbergen. Wenn mein Messer übersehen wird, dann auch die von anderen!
Was ein kleines Messer in meinen Augen aber wirklich gefährlich macht, ist der Angreifer, oder vielmehr seine mentale Einstellung! Ein Angreifer der aus welchen Gründen auch immer sich für ein kleines Messer entschieden hat, ist sich dessen Potential bewusst., und das in allen Vor-und Nachteilen! Er denkt sich “lieber ein kleines Messer dabei als gar keins”.
Vermutlich ist der Angreifer im Umgang mit Messern versiert und ist sich darüber bewusst wie man Messer verschiedener Größe effektiv einsetzt. Er weiß dass Schnitttechniken mit kleinen Messern mehr Erfolg erzielen als Stichtechniken. Er kennt die Angriffsziele, bei denen am meisten Schaden verursacht wird. Seine Angriffsziele werden der Hals, das Gesicht und der Nackenbereich sein, in Abhängigkeit welche Kleidung das Opfer trägt.
Er übt das verdeckte Ziehen seiner Waffe und wenn es sich um ein Klappmesser handelt auch das lautlose öffnen. Keinesfalls verlässt er sich nur auf sein Messer, sondern nutzt dieses um das Opfer zu schocken um dann mit seinen anderen Nahkampffähigkeiten den Kampf zu beenden. Erst der Schnitt zum Gesicht dann Schläge auf den Kopf und niedrige Tritte zu den Beinen.
Diese Täter sind so gefährlich, weil sie einen “Game-Plan” verfolgen! In Gedanken haben sie solche Angriffe schon etliche Male durchgespielt. Sie üben diese Angriffe zu Hause vor dem Spiegel.
Es spielt keine Rolle mit welchem Messer man bedroht oder angegriffen wird,
alle Messer sind gefährlich!!!!
Wichtig für Sie als Bürger der sich durch Kampfsport, Kampfkunst oder Selbstverteidigung fit hält oder Lernen will wie man sich verteidigt.
Gehen sie davon aus, dass der Angreifer immer bewaffnet ist,
auch wenn sie keine Waffe sehen !
Üben sie realistisch. Versetzen Sie sich in die Lage des Angreifers. Seien Sie der Böse, mit allen Gemeinheiten, die Ihnen einfallen. Täuschen Sie den Trainingspartner. Nur wenn Sie beide Seiten durchspielen, erkennen Sie was auf der Straße wirklich funktioniert!
Nur wer die Gefahr versteht, kann sie rechtzeitig erkennen.
Nur wer die Gefahr rechtzeitig erkennt, kann sich vor ihr schützen.
(Ein zentrales Motto von EDP)
Für den Ernstfall gilt: Seien Sie wachsam und rechnen Sie mit dem schlimmsten; einem bewaffneten und entschlossenen Gewalttäter. Wenn Vermeidung oder Flucht nicht möglich sind, müssen Sie verstehen wie der Aggressor “tickt”. In Verbindung mit der richtigen mentalen Einstellung und strassengerechter Taktik, kann dieses Know How ihr Leben, das Ihrer Angehörigen oder ihrer Freunde retten.
Es gibt keine gefährlichere Waffe als den Willen; auch das schärfste Schwert kommt ihm nicht gleich.
Dschuang Dsi, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland
Tom ist Mitglied im Every Day Protection Team und verfügt über umfassenden Background im praktischen Selbstschutz mit und ohne Waffen.
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