Unfair kämpfen
Du willst dich im Ernstfall erfolgreich selbst verteidigen? Du bist kein Muskelprotz, kein Rambo oder der härteste Typ in der Stadt? Du hast weder Zeit noch Lust deine gesamte Freizeit dem Training einer Kampfkunst zu widmen, weil du noch andere Interessen und Verpflichtungen hast? Nachstehend bekommst du einige praktische Tipps die dir im Ernstfall weiterhelfen können, wenn weder Flucht noch Vermeiden möglich sind.
Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie dient lediglich als Anregung damit du dir Strategien zu Recht legen kannst, die deinen körperlichen Gegebenheiten entsprechen. Keinesfalls macht sie dich unbesiegbar. Sie ist auch kein Ersatz für ein seriöses und methodisches Selbstverteidigungstraining, wohl aber eine wertvolle Ergänzung. Die gesetzlich vorgeschriebene Verhältnismäßigkeit der Mittel und die Auflagen des Notwehrrechts gelten auch in diesem Kontext ohne wenn und aber.
- Provoziere niemals eine körperliche Auseinandersetzung. Vermeide das so weit wie möglich.
- Kenne deine Grenzen. Kämpfen strengt an und tut weh. Falls du schon beim Treppensteigen in den ersten oder zweiten Stock kurzatmig wirst und nicht in der Lage bist 30 Sekunden ohne Pause mit voller Wucht zu schlagen, abzuwehren oder auszuweichen ohne umzufallen , musst du erst einmal deine Kondition im anaerobischen Bereich aufbauen. Im Ernstfall musst du in der Lage sein eine derartige Belastung bis zu 3 Minuten auszuhalten. Kondition und Kraftausdauer ist hier wichtiger als reine Kraft.
- Kämpfe immer als ob dein Leben davon abhängen würde. Der Schläger kämpft nicht um dich zur Aufgabe zu zwingen, sondern um dich fertig zu machen. Er will dich schlimm verletzen und dich zumindest krankenhausreif schlagen. Wie möchtest du nach Hause gehen verletzt oder einigermaßen heile?
- Bleib stehen, geh nicht ohne Not auf den Boden. Falls du kein erfahrener Ringer bist, solltest du Kämpfe auf dem Boden unter allen Umständen vermeiden. Darüber anderer Stelle mehr.
- Schütze dein Gesicht, deinen Kopf und deinen Körper mit den Armen. Die Ellenbogen bleiben immer dicht am Körper, deine Hände bzw. deine Fäuste bleiben bei Schutzbewegungen immer dicht an deinem Gesicht um Angriffen von vorne oder von der Seite zu begegnen.
- Du stehst etwas mehr als schulterbreit. Bei Rechtshänder ist der linke Fuß vorne, die Fußspitze deutet leicht nach außen- Der hintere Fuß deutet ebenfalls nach außen.
- Die Knie sind ganz leicht gebeugt. Das ermöglicht dir eine flexible Schrittarbeit und erleichtert das ausweichen.
- Du machst dich etwas kleiner. Der Oberkörper ist ganz leicht nach vorne gebeugt, die Hüfte und damit der Schwerpunkt sind leicht abgesenkt.
- Falls alle Deeskalationsveruche misslungen sind und Flucht nicht möglich ist, dann verkürze die Distanz gehe nah an den Aggressor heran. Deine Arme eng sind vor dir und schützen den Körper, die Ellenbogen sind vor deinen Rippen.
- Sobald er zum Schlag ausholt oder eine verdächtige Bewegung macht schlägst du zuerst zu.Wenn du wartest bis er dich, vielleicht sogar, mehrfach geschlagen hat, dann wirst du im Krankenhaus aufwachen. Egal wie viele schwarze Gürtel du hast.
- Greife im Nahkampf nach seinen Ohren und beiß notfalls rein. Der psychologische Effekt ist bei den meisten Angreifern sehr groß. Wenn jemand dein Ohr mit aller Gewalt umfasst und dich daran zieht und vielleicht mit der anderen Hand schlägt , oder dich mit Kniestößen oder Ellenbogenschlägen bearbeitet lasst der Kampfeswille schnell nach.
- Fingerstich mit entspannten Fingern in seine Augen. Nein sie fallen ihm dabei nicht raus wie im Kung Fu-Film. Er ist nur kurzzeitig geblendet. Wenn er dich nicht sehen kann, kann er dich nicht angreifen und du hast die Chance zu fliehen oder ihn kampfunfähig zu machen.
- Schlage mit der Innenhandkante zu seiner Kehle. Damit ist die Linie zwischen gestrecktem Daumen und Zeigefinger gemeint. Daran stirbt er nicht, aber er bekommt kurzfristig keine Luft. Somit kann er nicht kämpfen und du kannst fliehen.
- Wenn dein Abstand zum Angreifer kürzer ist als eine Armlänge von dir ist, dann schlage und Stoße mit den Ellenbogen und Knien zu. Schläge und Stöße mit Ellenbogen und Knien sind extrem wirkungsvoll und schlecht abzuwehren.
- Greife in seine Haare und zieh seinen Kopf zu deinem Knie herunter. Stoß mit dem Knie in sein Gesicht.
- Stampfe auf seinen Fuß. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dabei ein Teil seiner Fußknochen gebrochen. Damit kann er nur schwer kämpfen, wiederum hast du die Chance zur Flucht.
- Schlag fest auf sein Schlüsselbein. Beispielsweise mit der Handkante. Bereits ca. 4-5 kg an Kraftwirkung reichen aus um ein Schlüsselbein zu brechen. Dadurch kann der Angreifer den jeweiligen Arm nicht mehr verwenden, er hängt dann wie ein Kartoffelsack an der Schulter-
- Schläge, Kniestöße oder Tritte in die Genitalien können einen Kampf sehr schnell beenden. Jedoch funktioniert das nicht immer so leicht wie in den Selbstverteidigungsbüchern. Männer reagieren instinktiv sehr geschickt um Angriffen in diese Region auszuweichen.
- Harte Schläge in die Rippen. Mit gebrochenen Rippen fällt das Kämpfen durch den Schmerz und die Atemnot sehr schwer. Wieder eine Chance zur Flucht.
- Schlag auf die Nase, oder greife sie und drehe sie zur Seite. Keine Bange niemand stirbt durch einen Schlag auf das Riechorgan, aber der Schmerzfaktor ist hoch. Ein fester Schlag auf die Nase bewirkt häufig, aber nicht immer, dass der Aggressor “Sterne sieht” und teilweise keine Luft bekommt. Ein Schlag auf die Nase kann durch die Handkante, der Unterseite der Faust oder durch einen Handballenstoß erfolgen.
- Wirf ihm Dreck, Münzen oder sonst was in die Augen. Das bringt dir 1-3 Sekunden in denen du fliehen oder ihn kampfunfähig machen kannst.
- Falls du ein Getränk in der Hand hast, dann trink einen Schluck und schütte den Rest der Flüssigkeit in seine Augen. Wiederum kann er kurzfristig nicht sehen. Auch das verschafft dir Zeit zur Flucht oder um ihn kampfunfähig zu machen.
- Verwende Alltagsgegenstände die du zur Hand hast um ihn zu schlagen. Das können Flaschen, Aschenbecher, Kugelschreiber, Textmarker, Flaschenöffner, Getränkedosen usw., usw. sein. Die Überlebensregel lautet du kämpfst nur unbewaffnet, wenn garantiert nicht verwendbares in greifbar ist. Vermutlich ist das nur nackt in der Sauna der Fall.
- Lass dich nicht nach “draußen” zum Kampf einladen. Dort könnten Freund des Angreifers auf dich warten, oder sonstige Gegebenheiten herrschen die zu deinem Nachteil sind. Wenn der Kampf unvermeidlich ist, dann stelle dich dem an Ort und Stelle und beende ihn dort.
Es gibt keine harmlose Schlägerei. Tu alles was du kannst um das zu vermeiden. Wenn du allerdings angegriffen wirst, hast du das Recht dich zu wehren. Der Angreifer ist üblicherweise im Vorteil weil er Ort, Zeit und Art des Angriffs bestimmt. Häufig ist er dir auch körperlich überlegen. „Fair kämpfen” ist daher nur was für Sportwettkämpfe. Auf der Straße ist für „sauberes kämpfen” oder elegante, cool aussehende Techniken kein Platz. Es geht nicht „Sieg oder Niederlage”, sondern ums Überleben. Denke dabei an Dominik Brunner.
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