Pfefferspray - Tipps & Tricks zur Anwendung im Verteidigungsfall

Du hast dir eine Dose Pfefferspray gekauft. Fein, aber das allein schützt dich noch nicht. Wie stellst du sicher, daß du es im Verteidgungsfalle überhaupt und richtig anwenden kannst?  Der Besitz einer Waffe gleich welcher Art, stellt überraschenderweise keinen Schutz an sich dar.

Zunächst einmal gelten auch im Hinblick auf den eventuellen Einsatz von Pfefferspray alle Regeln und Hinweise aus der Artikelreihe „ Die 7 Schutzwälle der Selbstschutzstrategie”. Pfefferspray ist eine nichttödliche Waffe.  Auch im Hinblick auf den Einsatz von Waffen in der Selbstverteidigung gibt es sozusagen „Regeln des Handwerks”.

Damit du eine Waffe gleich welcher Art, also auch Pfefferspray, in einer Kampfsituation, das heißt unter Stress, widrigen Umständen, hohem Zeitdruck etc. anwenden kannst müssen 3 Voraussetzungen erfüllt sein.

(1)  Du bist der Funktion und Wirkung der jeweiligen Waffe gründlich vertraut.

  • Hat der Pfefferspraybehälter eine Sicherung?
  • Wo sitzt sie?
  • Musst du sie ziehen, schieben oder drücken?
  • Wo sitzt der Auslöser?
  • Wie oft und wie lange kannst du damit sprühen?
  • Wie ist das Sprühverhalten, Strahl oder Nebel?
  • Welche Auswirkung hat das auf die Reichweite?
  • Wie schnell wirkt das Pfefferspray?

(2)  Du hast den Zugriff geübt und führst die Waffe so, daß du sie im Ernstfalle sofort ziehen  kannst.

  • Je nach Form und Größe des Behälters hast du dich für eine (!) Trageweise entschieden.
  • Die Trageweise ist so gewählt, daß der Behälter nicht ohne weiteres sichtbar ist.
  • Der Behälter ist so bei dir am Körper positioniert, daß du ihn mit einer (!) Bewegung ziehen und auf den Angreifer richten kannst, ohne hinzusehen. Zum Beispiel am Hosenbund (Clip) oder -je nach Design - in einer Öffnung einer Handtasche, in der Hemdtasche, oder am Schlüsselbund sein. Im Ernstfall hast du maximal 1-2 Sekunden um deine Waffe zu ziehen, auszurichten und einzusetzen. Der Angreifer wird nicht warten bis du so weit bist, oder dir gar beim suchen helfen.
  • Du übst den Zugriff immer wieder (mit einem Partner, oder alleine gegen einen imaginären Angreifer) in Kombination mit einem Ausweichschritt zur Seite oder nach hinten, beim abducken und auspendeln von Schlägen. Du schützt dabei deinen Kopf durch den freien Arm.
  • Du übst das Ziehen und Ausrichten mit einer Körperdrehung um z.B. einem seitlichen Angriff zu begegnen.
  • Du berücksichtigst auch weiterführende Aktionen wie z.B. das unmittelbare Weglaufen nach dem Einsatz, Folgetechniken, etc. ein.
  • Übe Handlungsalternativen ein. Was ist wenn er deinen Waffenarm ergriffen hat? Was tust du dann?
  • Wenn der Angreifer unter Drogen steht, tritt die Wirkung möglicherweise mit Verzögerung ein. Dann musst du sofort ohne Zeitverzug auf andere Verteidigungsmethoden umschalten.
  • Übe kombinierte Aktionen mit Schlägen und niedrigen Tritten etc. ein (unter Berücksichtigung des Sprühnebels).
  • Auf dunklen Parkplätzen, in Tiefgaragen, kurz allen Örtlichkeiten die die irgendwie unheimlich sind, hast du den Behälter schon in der Hand. Es ist immer besser die Waffe schon bereit zu haben als sie erst ziehen zu müssen.

Tipp:
Nimm eine leere Deoflasche und füll sie mit Wasser. Damit kannst du wichtigsten Bewegungen gefahrlos üben. Mach das keinesfalls mit einer echten bzw. vollen Pfefferspraydose!

(3) Du weißt wie man die Waffe anwendet

  • Du kennst das spezifische Angriffsziel für Pfefferspray, das Gesicht.
  • Du achtest auf die Windrichtung, das ist eine Besonderheit dieser Waffe. Du könntest bei starkem Gegenwind selbst etwas davon abbekommen.
  • Dein Knie sind leicht gebeugt, dein Füße in etwa schulterbreit um einen stabilen Stand, aber auch schnelle Ausweichbewegungen, zu ermöglichen.
  • Du streckst deinen Waffenarm nicht voll beim sprühen aus, sonst könnte man dir die Waffe abnehmen.
  • Du hälst den Behälter auf Augenhöhe und siehst dem Angreifer ins Gesicht währen du sprühst.
  • Mach dabei nicht die Augen zu. Auch er bewegt sich.
  • Mache s-förmige Bewegungen mit der Sprühand und wechsle dabei (aus dem Handgelenk bzw. dem Unterarm) ein wenig die Höhe, um so einen optimalen „Sprühvorhang” zwischen dir und dem Angreifer zu haben.
  • Bewege dich beim sprühen möglichst seitlich vom Angreifer weg. Sollte er trotz Sehbehinderung nach dir greifen und schlagen, bist du dann nicht mehr da wo er dich vermutet.

Pfefferspray kann eine sinnvolle Ergänzung für deine Selbstschutzstrategie sein. Keinefalls  ein Selbstverteidigungstraning. Ebensowenig bietet es einen 100 % Schutz.  Auch der Umgang und Einsatz von Pfefferspray bedarf der Übung.

Tags:Angreifer, Gewalt, Messer, professionelles Sicherheitsmanagement, Selbstschutz, Selbstverteidigung

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