
Wieder einmal kam es zu einer tödlichen Auseinandersetzung mit einem Messer. Anhand dieser Fallstudie zeigen wir auf, wie realistische Messerangriffe auf der Straße ablaufen, und warum die Gegenwehr in einem realistischen Kontext geübt werden muss.
Auszug aus einer Meldung von Bild.de
Der Vorfall:
[....] Es passiert auf offener Straße. Steven R. brachte zusammen mit Jonas zwei Freunde zum Bahnhof. Dann begegneten sie Daniel K. und seinem Kumpel. Schon seit längerer Zeit soll Daniel K. den gleichaltrigen Jonas R. bedroht haben. Diese Mal greift Steven R. ein, will seinen Bruder vor den ständigen Angriffen schützen. Es kommt zu einem lautstarken Streit. Daniel K. wird aggressiv. Er zückt ein Messer, rammt es Steven in den Bauch. „Ich habe erst gedacht, er hätte ihm mit der Faust in den Magen geschlagen”, sagte Jonas zu BILD. „Doch dann brach er auf der Straße zusammen, wurde bewusstlos.” Jonas sieht, wie sein großer Bruder blutend auf der Straße stirbt. Der alarmierte Notarzt kann den jungen Mann nicht mehr retten. Noch vor Ort stirbt Steven. Der Messerstecher flüchtet, versteckt die Tatwaffe auf einem Balkon. Wenig später wird er von der Polizei festgenommen und gesteht. [....]
Analyse
Die beteiligten Personen kannten sich, schon im Vorfeld kam es zu Drohungen und Auseinandersetzungen. Das Opfer war in Begleitung seines Bruders. Die Situation eskalierte verbal, es kam zu Handgreiflichkeiten. Nach Aussage des Bruders, schlug der Täter dem Opfer mehrmals mit der Faust in den Magen. Dass ein Messer im Spiel war hatte weder das Opfer noch der Bruder überhaupt bemerkt. Erst als das Opfer blutend auf dem Boden lag wird klar dass eine Waffe zum Einsatz kam.
Dieser Vorfall verdeutlicht, dass man meistens in Stresssituationen nicht fähig ist, zu erkennen ob der Angriff mit einer Waffe ausgeführt wird. Als Folge der hohen Adrenalinausschüttung in Verbindung mit der extrem kurzen Zeitspanne eines realen Übergriffs ist die visuelle Wahrnehmung stark eingeschränkt (Tunnelblick), ebenso ist das Hörvermögen und die zeitliche Wahrnehmung beeinträchtigt. Wieder einmal kam der Messereinsatz völlig überraschend. Im Kampfverlauf wurde die Stichverletzung als bloßer Faustschlag wahrgenommen. Das Opfer eines Angriffs hat daher gar keine Chance überhaupt angemessene Entscheidungen insbesondere im Hinblick auf Handlungsabfolgen zu treffen.
Folgende Umstände erwiesen sich für das Opfer als tödlich:
- Die Distanz wurde nicht gewahrt, der Täter war bereits nahe genug um zuzuschlagen bzw. zu stechen. Ein bis zwei Schritte mehr Abstand hätte das Risiko minimiert.
- Der Zugriff zur Waffe wurde nicht erkannt. Waffen aller Art Messer, Schraubenzieher aber auch Schlagringe, Hiebwaffen etc. werden in aller Regel auf Hüfthöhe getragen und müssen daher kurz vor dem eigentlichen Kampf oder gleich bei Beginn der Kampfsituation gezogen werden.
Erkenntnis
Achten Sie deshalb immer auf die Hände eines potentiellen Angreifers und trachten Sie danach alle 10 Finger zu sehen. Hände töten nicht böse Blicke Blickkontakt ist eine Spielerei aus Hollywoodfilmen.
Distanz ist Ihr Freund und Lebensretter.
Der Täter hatte höchstwahrscheinlich keine formale Ausbildung im Messerkampf, er hat lediglich einen grobmotorischen Bewegungsablauf mehrmals hintereinander verwendet. Daher ist es lebenswichtig genau diese Angriffe im Training nachzubilden und spezielle Verteidigungsmethoden einzuüben.
Überprüfen Sie daher ihr Training stets auf Realismus.
Tom ist Mitglied des Every Day Protection Teams und veröffentlicht hier Beiträge in regelmäßigen Abständen . Er verfügt über umfassenden Background im Bereich des Selbstschutzes mit und ohne Waffen.
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Wahnsinns Beitrag.Ich habe einige tolle Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Posts.