Fallstudie: Messerstecherei in Lübeck

faust014Der Vorfall:

Auszug aus einer Pressemeldung der Polizei.
Die Ermittlungen der Bezirkskriminalinspektion Lübeck nach der Messerstecherei vom Mittwoch 03.03.2010[...], dauern an. Nach bisherigen Erkenntnissen war ein 46-jähriger[...], vom 26-jährigen Wohnungsinhaber am Vormittag in dessen Wohnung [...] gelassen worden. In der Küche der kleinen Zweizimmerwohnung war es dann zum Streit zwischen den beiden Männern gekommen, der dann eskalierte. Beide Kontrahenten trugen mehrere Messerstiche davon. Der 46-Jährige konnte anschließend flüchten und fuhr mit seinem PKW [...] zu Bekannten. Aufgrund seiner schweren Verletzungen riefen die Bekannten Rettungskräfte.  Der 26-jährige Lübecker schleppte sich nach der Tat im 2. Obergeschoss in den Laubengang und machte auf seine hilflose Lage aufmerksam. Er wies mehrere Stichverletzungen im Hals- und Oberkörperbereich auf. Ein zufällig vorbeikommender Gerichtsvollzieher verständigte daraufhin die Einsatzkräfte.

Beide Männer befanden sich in Lebensgefahr und mussten in der Uniklinik notoperiert werden. Am Nachmittag gab es dann zunächst Entwarnung für die beiden Verletzten, sie schienen außer Lebensgefahr zu sein. Bei dem 46-jährigen Mann besteht auch weiterhin keine Lebensgefahr, er kann möglicherweise in der nächsten Zeit vernommen werden. Bei dem 26-jährigen Lübecker hat sich der Zustand verschlechtert, er schwebt wieder in Lebensgefahr. Inzwischen konnten auch zwei Küchenmesser sichergestellt werden, dabei dürfte es sich um die Tatwaffen handeln. Aufgrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse gehen die Ermittler davon aus, dass der 46-jährige Mann als Täter in Frage kommt. Die Staatsanwaltschaft Lübeck wird prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Haftbefehlsantrag beim Amtsgericht Lübeck aufgrund eines versuchten Tötungsdelikts vorliegen.

Analyse des Vorfalls
Ein Szenario „Messer gegen Messer” ist nicht so häufig wie allgemein angenommen wird, die Variante „Messer gegen unbewaffnet” ist wesentlich verbreiteter. Daher ist dieser Fall von besonderem Interesse, zudem  zeigt er eindrucksvoll ein spezifisches Risiko bei einer Auseinandersetzung mit Messern auf, die Distanz. Der eigentliche Kampf fand in der Küche statt. Die beiden erlitten dabei lebensgefährliche Verletzungen. Auf so engem Raum ist das unvermeidbar. Die Abwehr von Stichen und Schnitten ist auf so kurze Distanz praktisch nicht möglich. In einer durchschnittlichen Küche kann jeder den anderen mit maximal einem Ausfallschritt erreichen. Das dauert weniger als 1 Sekunde, die Abwehr gestaltet sich schwierig, denn bei „Messer gegen Messer” bedarf es nicht nur einer Abwehrbewegung mit der eigenen Klinge,  sondern sichehrheitshalber auch eines Ausweichmanövers.  Die Ausweichmöglichkeiten sind in einer Küche, jedoch in hohem Maße eingeschränkt. Das Resultat, beide hatten Kontakt mit der Waffe des Gegners und beide wurden lebensgefährlich verletzt. Ein derartiger Kampf dauert nur wenige Sekunden. Obwohl beide mehrere Messerstiche davontrugen waren sie nicht sofort kampfunfähig. Das kommt bei Stichverletzungen häufig vor. Stiche sind oft tödlich, aber nicht sofort. Der hohe Adrenalinspiegel bewirkt oftmals, dass der Getroffene den Stich nicht sofort bemerkt. Es sind viele Fälle bekannt in denen der Tod erst ca. 15 Minuten nach dem Stich eintrat.

Vor einem Messer bist du - ob bewaffnet oder unbewaffnet -  grundsätzlich erst in einer Entfernung von 7 Meter aufwärts (!) sicher. Ansonsten kann dich der Angreifer binnen 1- 1,5 Sekunden erreichen und durch einen Stich oder Schnitt, verletzen oder gar töten. Bei einer Entfernung die weniger als 2 Meter beträgt liegt die Wahrscheinlichkeit, daß du verletzt wirst bei über 90 %.

Tags:Angreifer, Gewalt, Messer, Messerangriff, Opfer, professionelles Sicherheitsmanagement, Selbstverteidigung

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