Fallstudie: Messerangriff in Fürstenfeldbruck

Ein bereits länger andauernder Streit zwischen einem 41-jährigen Deutschen und einem 37-jährigen Türken ist am 23.04.2010 in Fürstenfeldbruck eskaliert. Wieder kam ein Messer  zum Einsatz.

Der Vorfall - Auszug aus einer Meldung der Augsburger Allgemeinen Zeitung
[...] Beide trafen sich nach Angaben der Polizei gegen 19.30 Uhr im Fürstenfeldbrucker Stadtgebiet. Plötzlich zog der alkoholisierte 41-Jährige ein Klappmesser mit einer etwa sieben Zentimeter langen Klinge und stach [?!..] mehrmals auf den 37-jährigen Türken ein. Anwohner bemerkten die Messerstecherei und alarmieren die Rettungsdienste. Noch vor Ort wurde der 37-Jährige laut Polizei medizinisch versorgt. Er erlitt tiefe Schnittwunden an den Beinen und im Brustbereich. Zur weiteren Behandlung wurde er in ein nahe liegendes Krankenhaus eingeliefert. Nach Auskunft der Ärzte besteht Lebensgefahr. Der 41-jährige mutmaßliche Messerstecher wurde festgenommen, so die Polizei.

Die Analyse:

Was ist an diesem Vorfall bemerkenswert? Nun, zunächst einmal der Angreifer war kein Ausländer sondern ein Deutscher. Merke: Messerangriffe sind keineswegs nur auf Ausländer beschränkt. Wieder einmal war auch Alkohol und Wut im Spiel. Noch interessanter ist die eingesetzte Waffe. Ein Klappmesser mit einer ca. 7 cm langen Klinge ist schlicht ein von der Größer her geradezu klassisches Taschenmesser(!). Zusammengeklappt passt es in die geschlossene Hand, ohne dass der Griff nennenswert übersteht. Auch in geöffnetem Zustand sind derartige Messer nur schwer zu erkennen. Der Angreifer könnte die Klinge beispielsweise zwischen den ausgestreckten Fingern verbergen. Das nennt man auch „Kuckucksgriff”. das Messer ist so kaum zu sehen Demzufolge ist es auch nur schwer ab wehrbar.. Was du vielleicht für eine Ohrfeige hältst, entpuppt sich dann als Messerangriff.  Diese Spielart, lag in diesem Fall aber offenkundig nicht vor. Der Angreifer hat das Messer überraschend gezogen, geöffnet und mit multiplen Angriffen losgelegt. Diese Taktik ist geradezu klassisch. Der Angreifer zeigt dir das Messer nicht erst und bedroht dich mit weitausholenden Bewegungen, wie das in den klassischen Kampfkünsten gerne gelehrt wird. Er hat es schon in der Hand ohne dass du es siehst oder er zieht es schnell und überraschend. Mit kleinen Klingen kann man zwar auch stechen, jedoch sind sie besser zum Schneiden geeignet. Das hat der Angreifer augenscheinlich berücksichtigt, denn das Opfer trug tiefe und lebensgefährliche Schnittwunden davon. Der Angreifer hat also in wenigen Sekunden (vermutlich weniger als 5!) mehrere tiefe Schnitte durchgeführt. Die Verteilung der Schnitte deutet auf einen anderen Klassiker hin, nämlich Schnittkombinationen in „X-Form” und in verschiedenen Höhen.

Erkenntnis aus diesem Vorfall:

  1. Ein Messerangriff ist kein Messerduell. Die Attacke erfolgt in den meisten Fällen für das Opfer überraschend, und wird mit hoher Geschwindigkeit und Vehemenz ausgeführt. Die Abwehrchancen sind bedingt durch die zu kurze Reaktionszeit äußerst gering.
  2. Es erfolgt kein einzelner Angriff sondern eine Serie. Selbst wenn du einer Bewegung ausweichen kannst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dich die Nächste trifft und verletzt. Das gilt sowohl für Schnitt- als auch für Stichangriffe.
  3. Auch Messer mit kleinen Klingen können lebensgefährliche, ja tödliche Verletzungen hervorrufen.
  4. Es gibt kein harmloses Messer.
  5. Alles was der Angreifer braucht ist eine Portion Hinterlist, Brutalität und Entschlossenheit. Besondere Körperkraft oder gar spezielle Kenntnisse sind nicht erforderlich.

Dieses „Erfolgsrezept” wird deshalb seit Jahrhunderten von Gewalttätern in allen Teilen der mit großem Erfolg angewandt. Schwarze Gürtel und sonstige Graduierungen schützen dich nicht davor. In einer kritischen Situation solltest du immer beide Hände und alle 10 Finger (!) des potentiellen Angreifers sehen können. Wenn das nicht der Fall sein sollte, ist möglicherweise ein Messer im Spiel. Der wichtigste Schutz davor ist daher extreme Wachsamkeit und Flucht. Abwehrbewegungen sind nur dann eine Option wenn Flucht nicht möglich ist.

Tags:Gewalt, Messerangriff, Messerstecherei, Schnittangriff, Schutz vor Messerangriffen, Trefferzonen bei Messerschnitten, Verteidigung gegen Messer

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