Die 7 Schutzwälle der Selbstschutzstrategie (Teil 7)
Der Albtraum wurde Wirklichkeit. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist der Ernstfall eingetreten, du wirst angefriffen und befindest dich in einer realen Kampfsituation. Wie kommst du da heil raus? Es geht darum diese Gefahrensituation möglichst unverletzt zu überstehen, zu entkommen, und/oder die Gefahr - unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen - zu neutralisieren. Das mögliche Ergebnis einer tätlichen Auseinandersetzung reicht von
- du bewältigst die Gefahr unverletzt bzw. leicht verletzt,
- du entkommst unverletzt bzw. leicht verletzt,
- du liegst schwerverletzt am Boden,
- du trägst möglicherweise bleibende Schäden davon,
- im schlimmsten Falle endet es mit deinem Tod.
Worauf musst du dich einstellen um diese Gefahr erfolgreich zu meistern? Zunächst einmal musst du dir präventiv die Rahmenbedingungen vergegenwärtigen, unter denen dieser Kampf stattfinden wird.
- Es passiert dann wenn du am wenigsten damit rechnest, bzw. wenn du müde, geschafft oder geistesabwesend bist.
- Etwaige Zuschauer die späteren Zeugen werden dir nicht helfen, sie werden vielleicht sogar gegen dich aussagen, da sie möglicherweise nicht alles mitbekommen haben.
- Die Polizei wird dir nicht helfen können. Sie wird frühestens da sein wenn der Kampf beendet ist, und möglicherweise zunächst dich für den Agressor halten.
- Niemand wird dir zu Hilfe eilen.
- Der Angreifer bestimmt Zeit und Ort. Beides ist zu seinem Vorteil.
- Er ist davon überzeugt, daß er dir überlegen ist.
- Ein Kampf ist körperlich enorm anstregend und absolut anaerobisch. Du musst in wenigen Sekunden physisch und mental alles geben.
- 30 Sekunden sind eine Ewigkeit.
Um diese Gefahr zu meistern gelten folgende Leitlinien.
- Du musst dich jetzt wehren, das heißt du musst bereit sein Gewalt anzuwenden, den Angreifer notfalls sogar schwer verletzen. Wenn du keine oder keine hinreichende Gewalt anwendest, wird er es für dich und an dir tun.
- Fairness, Rücksichtsnahme oder gar elegante Techniken wie in Vorführungen in manchen klassischen Kampfkunstschulen sind jetzt fehl am Platz.
- Viele Techniken und Konzepte aus den klassischen Kampfkünsten werden jetzt nicht funktionieren.
- Deine Verteidigung besteht aus deiner Entschlossenheit alles zu tun was erforderlich ist um da heil rauszukommen, dazu gehört auch dein Durchhaltevermögen, sowie der Einsatz deines kämpferischen Wissen und deiner kampftechnischen Fähigkeiten.
- Es geht nicht “Sieg” oder “Niederlage”, sondern schlicht darum heil nach Hause zu kommen.
- Im Verlauf des Kampfes wirst du auch getroffen werden bzw. Schmerz erleiden. Keinesfalls darfst du dich dem hingeben, oder zuviel Angst oder Schmerz zeigen. Durchalten und weitermachen ist jetzt das Überlebensmotto.
- Du darfst dich nicht ablenken lassen. Deine gesamte Aufmerksamkeit gilt deinem Angreifer, alles andere ist jetzt belanglos.
- Du verteidigst dich nicht, du greifst ihn an! Das ist mental und taktisch ein riesiger Unterschied, unter Umständen der Unterschied zwischen Leben und Tod.
- Der Angreifer entscheidet wann der Kampf vorbei ist, und nicht du! Erst wenn du erfolgreich fliehen konntest, oder der Angreifer zweifelsfrei kampfunfähig ist, ist der Kampf vorbei.
- Der Angreifer gibt im Zweifelsfalle 5 Sekunden nach dir auf. Du darfst niemals aufgeben, denn er wird dich nicht schonen, sondern dich fertigmachen.
- Du musst die Kampfdistanz zu deinen Gunsten gestalten. Wenn er dich nicht schlagen kann, kann er dich weder verletzen noch sonst irgendwie besiegen.
- Du musst seine körperliche Wahrnehmung möglichst behindern.
- Du musst seine psycholgische Wahrnehmung verändern. Er begann als „Jäger” und sah dich als “Opfer”. Das musst du durch deine Entschlossenheit und deinem technischen Geschick umkehren.
- Kümmere dich nicht um „saubere Technik” und hör nicht auf wenn du glaubst, daß eine deiner Aktionen nicht geklappt hat. Überlass die Bewertung deinem Gegner. Mach so lange weiter, bis die Gefahr vorbei ist.
- Sei unberechenbar und vielseitig in der Anwendung deiner Mittel.
Die körperlichen und mentalen Fähigkeiten kannst du nicht durch das Lesen von Büchern und Zeitschriften erlernen. Das musst du unter seriöser fachlicher Anleitung üben. Die gute Nachricht, jeder kann lernen sich effektiv zu wehren. Die schlechte Nachricht es gibt keine Unbesiegbarkeit. Ein Restrisiko bleibt immer.
Über Kampf und Kämpfen kann man viele Bücher schreiben. Alle Facetten zu beschreiben würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen. In den folgenden Artkeln gibt es daher weitere nützliche Informationen und Hilfestellungen zu diesem Thema.
Tags:Angreifer, Gewalt, Messer, Opfer, professionelles Sicherheitsmanagement, SelbstschutzVerwandte Artikel
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