Die 7 Schutzwälle der Selbstschutzstrategie (Teil 5)
In diesem Artikel geht es um deine Positionierung und Körpersprache, sprich Situationskontrolle und Eigensicherung. Das ist ein taktisches Konzept, das es einem potentiellen Täter erschwert Überaschungsangriffe durchzuführen. Übergriffe erfolgen nur für das Opfer überraschend. Über alle Kulturen und Ländergrenzen hinweg gibt es einen unausgesprochenen, und auf praktische Erfahrung dieser Gewalttäter beruhenden Konsens. Sie verwenden im Grunde nur 2 verschiedene Angriffstrategien.
Die häufigste Methode ist ein Angriff aus dem Gespräch. Das kann z.B. durch eine Provokoation seinerseits erfolgen, das heißt praktisch
1. er schüchtert dich ein, und /oder
2. er lenkt dich ab,
3. dabei stellt er sich und dich (ohne daß du es merkst) für seinen Lieblingsangriff zurecht,
4. während du dich noch in einem Gespräch wähnst, schlägt er (oder ein Komplize) zu.
Die Gesprächphase vor dem Zuschlagen wird von englischen Schlägern und Hooligans, übrigens zynisch „Interview” genannt. Wenn du dieses Spiel nicht duchschaust, ist es gleichgültig wieviele „schwarze Gürtel” oder sonstige Grade du in Kampfsportarten hast. Du landest mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus. Die zweite Variante ist wirklich Angriff aus einem Versteck, einer dunklen Ecke, von hinten etc.
Beide Varianten haben etwas gemeinsam, es handelt sich jeweils um einen Hinterhalt, die tausendfach bewährte Geheimwaffe aller Gewalttäter. Dagegen kannst durch Positionierung & Körperprache (= Eigensicherung!) sehr viel tun.
Praktische Positionierung
Keine Opfersignale
Demonstriere durch dein Auftreten und Körpersprache Selbstbewusstsein. Gewalttäter haben einen feinen Instinkt dafür. Sie bevorzugen Menschen die sich schon durch Ihre Erscheinung als potentielles Opfer darstellen. Gehe daher mit erhobenem Kopf, sieh nicht nur auf den Boden, der tut dir nämlich nichts. Achte auf gerade Schultern, gehe nicht mit verschränkten Armen, und sende keine sonstigen Unterwürfigkeitssignale aus. Es gibt sehr gute Bücher zum Thema Körpersprache, es lohnt sich, sich damit ein wenig zu beschäftigen.
Aufmerksamkeit
Zeige durch deine Körpersprache und dein Verhalten, daß du deine Umgebung bewusst und aufmerksam wahrnimmst. Beachte entspannt, aber aufmerksam deine Umgebung. Achte dabei auf Leute deren Verhalten von der Norm abweicht, wie z.B. angetrunkene Fußballfans, Gruppen von pöbelnden Jugendlichen, aber auch Leute die nur so rumhängen, sich an eine Wand lehnen etc. Siehe hierzu auch Teil 3 und 4 dieser Artikelreihe. Sieh auch immer wieder mal zur Seite und nach hinten.
Habe die Hände frei
Deine Hände sind deine Waffen, sorge daher dafür, daß du sie im Notfall sofort einsetzen kannst. Wenn du beide Häne mit Einkaufstüten voll hast, bist du leichter abzulenken und schutzlos. Stell sicher daß auf alle Fälle eine Hand frei ist um den Abstand mit dem potentiellen Agressor zu wahren, oder erste Verteidigunsmaßnahmen durchzuführen.
Verkehrsrichtung
Wenn möglich gehe gegen die Hauptverkehrsrichtung, die meisten Menschen gehen her mit dem Menschenstrom. Das erschwert es potentielle Angreifer in der Menge zu bemerken.
Gehen um Ecken
Wenn du um eine Ecke gehst, achte auf mindestens 1 bis 1,5 Meter Abstand. Du weißt nie was dich möglicherweise hinter der Ecke erwartet. Es könnte auch jemand sein, der dich überraschend bedroht oder angreift.
Gehsteig
Bewege dich möglichst in der Mitte Gehsteigs. Somit hast du Abstand zur Wand, dunklen Hauseingängen, geparkten Autos etc. Das verschafft dir eine taktische Distanz zu potentiellen Gefahrenpunkten, bzw. Leuten die dir evtl. auflauern könnten.
Musik & Bücher
Höre nicht Musik beim Gehen. Deine Aufmerksamkeit wird dadurch stark vermindert und du bist nicht in der Lage einen potentiellen Angreifer der sich an dich heranpirscht zu bemerken. Das gleiche gilt beim Lesen von Büchern und Zeitungen.
Wenn dich ein Fremder anspricht
Halte Abstand von ca. 1- 1,5 Meter. Hebe deine Hände unverfänglich auf Brusthöhe und gestikuliere dabei leicht. So ein bisschen wie die Italiener. Zeige ihm dabei beiläufig auch mal auch deine Handflächen, das wirkt passiv und friedlich. Aus dieser Position kannst du Schläge gut abwehren, aber auch selbst ausführen, ohne dabei agressiv oder bedrohlich zu wirken. Auf dieses Thema gehen wir in einem separaten Artikel noch genauer ein.
Gefahrenvermeidung und Gefahrenbewältigung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Know How und vorausschauendem Verhalten.
Tags:Angreifer, Gewalt, Messer, Opfer, professionelles Sicherheitsmanagement, Selbstschutz, Übergriff
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