Angriffe rechtzeitig erkennen und Ihnen zuvorkommen
Warst du schon mal in einer Situation die dir nicht geheuer war, und in der du dein Gegenüber als potentielle Bedrohung empfunden hast ohne genau sagen zu können warum? In dieser Lage wusstest du möglicherweise nicht genau was du tun solltest bzw. könntest. Die Schwierigkeit in so einer Lage den anderen genau einzuschätzen erhöht deinen Stress enorm und reduziert deine Verteidigungsfähigkeit erheblich. Wann, was wie tun oder auch nicht?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte dein Unterbewusstsein Gefahrenhinweise festgestellt und dir Warnsignale gesandt. Dieses „Gefahren -Know How” kann man relativ einfach auch in die bewusste Wahrnehmung integrieren und gezielt anwenden. Wie heißt es so schön, „’Wissen ist Macht”. Zunächst einmal ein paar grundsätzliche Feststellungen.
Überall auf der Welt arbeiten Schläger und Gewalttäter nach einem gleichen tausendfach bewährten Prinzip, dem Überraschungsangriff. Dabei ist nicht nur der Angriff aus dem Hinterhalt gemeint, sondern der wesentlich häufiger vorkommende aus der Dialogsituation. Die Vorgehensweise besteht aus zwei möglichen Grundvarianten:
a) eindeutige Bedrohung, Einschüchtern, zuschlagen.
b) Ablenken im Dialog, sich optimal positionieren und zuschlagen.
Beide Variationen derselben Vorgehensweise haben eines gemeinsam. Der Gewalttäter schlägt zu bevor du dich auf die Gefahr eingestellt hast. Die Variante b) kommt am häufigsten vor.
In der Anwendung sieht das wie folgt aus:
Der erste Treffer landet scheinbar (!) überraschend. BÄM (!), das hat gesessen. Schmerz, Verwirrung, Übelkeit oder Schwindelgefühle überkommen dich. Blocken oder andere feinmotorische Mätzchen aus den traditionellen (zumeist asiatischen Kampfkünsten) gehen jetzt nicht mehr. Bevor du den Arm irgendwie heben kannst prasselt eine Serie von Schlägen auf die ein. Dir wird schwarz vor Augen, irgendwie merkst du dass du mehr oder weiniger stark blutest, du gehst zu Boden. Da gibt er dir den Rest und tritt dich zusammen. Das Ganze dauert nur wenige Sekunden, und du bist reif für das Krankenhaus oder für deine Beerdigung.
Die weltweite Beliebtheit dieses Verfahrens hat folgende Gründe:
i) Das Opfer hat praktisch keine Chance, zur Flucht bzw. zur Gegenwehr.
ii) Der Angreifer hat praktisch kein Risiko und eine weitgehehnde „Gewinngarantie”.
Die meisten Schläger sind gar keine ach so tollen, harten Kämpfer. Sie hassen Risiken und sie fürchten energische effektive Gegenwehr. Sie beherrschen nur sehr wenige Techniken. Diese allerdings perfekt, insbesondere beherrschen sie das richtige Timing und das überraschende Zuschlagen. Ihre „Kämpfe” funktionieren nicht nach dem Kino- bzw. Sportschema, „ich schlage, du schlägst”, sondern nach dem Muster „ich schlage, ich schlage und du bist fertig ohne dass du dich wehren kannst”. Sie wollen nicht kämpfen, sondern dich fertigmachen. Sie suchen keinen Gegner, sie suchen ein Opfer. Opfer wiederum sind zumeist Zeitgenossen die dieses Spiel nicht kennen und daher die Warnzeichen nicht wahrnehmen. Das ist die Realität in der wahren Welt außerhalb des Dojos. Falls du Zweifel an der Richtigkeit dieser Darstellung hast, dann lies mal aufmerksam den Hergang von U-Bahn & S-Bahn-Schlägereien der letzten zwei Jahre durch. Dur wirst immer auf dasselbe Strickmuster stoßen.
Die gute Nachricht ist aber, dass diese Angriffe gar nicht sooo überraschend kommen. Wenn du die Gefahren Signale kennst kannst du dich darauf einstellen und
a) entweder rechtzeitig fliehen (die beste Kampftechnik überhaupt) oder
b) seinem Angriff durch einen eigenen Angriff zuvorkommen).
Die nachstehende Liste der Gefahrenzeichen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und soll dich für die körpersprachlichen Gefahrensignale sensibilisieren. Das Schlüsselwort ist „Körpersprache” auf die musst du vor allem achten, was er sagt ist nebensächlich.
Diese Verhaltensmuster deuten auf einen bevorstehenden Angriff hin.
- Er wendet dir im Gespräch die Schmalseite zu und steht nun leicht schräg vor dir.
Seine vermutlich starke Seite ist nun hinten. Während er spricht und dich irgendwie ablenkt, holt er unauffällig aus, schlägt zu und dann BÄM (!), den Rest hatten wir vorhin schon. - Er wirft sich in die Brust und bläht sich auf.
Eine sehr beliebte Methode unter Männern, richtig schön Primatenhaft. Er versorgt seinen Körper mit Sauerstoff, macht sich optisch groß, schüchtert dich damit ein, möglicherweise kommt er dabei immer näher auf dich zu und beleidigt oder beschimpft dich. Wenn er nah genug an dir dran ist, dann… richtig BÄM (!)… - Während er mit dir spricht sieht er mehr oder weniger unauffällig nach links und rechts.
In einer normalen Unterhaltung hast du Blickkontakt mit deinem Gegenüber. Wenn er davon abweicht, heißt das möglicherweise dass er nachsieht ob die Luft rein ist (keine Zeugen..). - Er dreht den Kopf weg währen er gerade mit dir redet.
Eventuell seufzt er dabei. Damit verschleiert er instinktiv seine Angriffsabsicht, noch während er den Kopf wieder zu dir zudreht, BÄM… - Seine Hände bewegen sich in Richtung Hüfte, Gürtel, Hosentasche oder unter die Jacke oder das T-Shirt.
Das deutet auf einen bewaffneten Angriff, möglicherweise mit einem Messer hin. Wenn du nicht beide Hände und alle 10 Finger sehen kannst, dann bist du in großer Gefahr. - Er wischt mit einer Hand über sein Gesicht oder die Nase, oder kratzt sich am Kopf.
Aus dieser Position kann man sehr gut unauffällig zuschlagen. - Er ballt die Fäuste.
Kommentar überflüssig, das spricht für sich selbst. - Er sieht irgendwie durch dich durch, scheinbar weit weg.
Damit nimmt er dich nicht mehr als Mensch sondern nur noch als Ziel wahr. Er entspannt sich dabei leicht atmet unauffällig ein und aus und schlägt zu. - Er fixiert einen Punkt an deinem Körper, z.B. dein Kinn.
Er zielt dabei schon auf dich. - Während er mit dir spricht nimmt er mit den Füßen eine Boxerartige Stelllung ein, seine Hände gestikulieren und gehen dabei leicht nach oben.
Klare Sache er begibt sich in Kampfposition, nicht gerade subtil aber durchaus funktional.
Wenn du dich schützen willst musst du diese und ähnliche Gefahrensignale verinnerlichen und lernen diese auch unter Stress zu erkennen. Im Ernstfall, sollte die erste Option immer Flucht sein. Wenn das, warum auch immer, nicht geht dann solltest du einen Erstschlag ernsthaft in Betracht ziehen. Siehe hierzu auch die rechtlichen Rahmenbedingungen im Artikel Notwehr & Nothilfe. Vielleicht fällt dir noch das eine oder andere Gefahrensignal ein. Was würdest du denn als Angreifer tun?
Wachsamkeit ist das wichtigste Gebot der Straße. Wachsamkeit ist jedoch nicht paranoid. Vielleicht will dich ein Fremder wirklich nur nach dem Weg oder der Uhrzeit fragen. Die Situation wird nicht immer so eindeutig sein wie oben beschreiben. Wenn du in einer hitzigen Diskussion bist und schon Drohungen oder Beleidigungen ausgesprochen werden, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Es gilt also die Körpersprache des anderen richtig zu interpretieren, sonst hast du zu Recht Probleme mit den Behörden.
Sei wachsam, aber nicht aggressiv oder überängstlich. Halte Abstand zu Fremden die dich ansprechen und achte auf deren Körpersprache.
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