Angriff mit Schraubenzieher in der Stuttgarter Stadtbahn.

Analyse eines aktuellen Vorfalls. Auszug aus einer Meldung aus dem Stuttgart-Journal. Stuttgart Charlottenplatz: 06.01.2010 / 20:30h.  Zwei alkoholisierte Männer fügten sich in einem Streit beträchtlicheVerletzungen zu. Ein Rettungswagen wurde benötigt.

Zuvor war es zwischen den beiden aus dem Kosovo stammenden Männern in einer Gaststätte bei der Haltestelle „Staatsgalerie” zu Streitigkeiten gekommen, in deren Verlauf ein 23-Jähriger auf einen 28-jährigen Kontrahenten mit den Fäusten einschlug und ihm das Nasenbein brach. Daraufhin wurde der 23-Jährige von dem Gastwirt aus dem Lokal verwiesen.

Der Verletzte folgte ihm jedoch (!), stellte ihn zur Rede und wurde erneut zu Boden geschlagen. Als der Schläger in die einfahrende Stadtbahn der Linie U4 einstieg, folgte ihm der 28-Jährige wieder, griff ihn mit einem Schraubendreher an und stach ihm mehrfach (!) in den Schulter- und Nackenbereich. Der 23-Jährige erlitt hierdurch glücklicherweise nur oberflächliche Verletzungen.

Eine Zeugin, die sich ebenfalls in der Straßenbahn befand, verständigte die Polizei. An der Haltstelle Charlottenplatz stiegen beide Männer aus und wurden von Sicherheitsbediensteten der Deutschen Bahn, die ebenfalls auf den Vorfall aufmerksam geworden waren, bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.

Analyse des Vorfalls

Es war Alkohol im Spiel. Das hat offenkundig die ohnehin stark angespannte emotionale Situation verschärft.   Das ist bei Schlägereien und Messer-Angriffen häufig der Fall. Die Hemmschwelle ist alkohol- und emtionsbedingt sehr niedrig. Vernunft spielt dann keine Rolle mehr. Beide Parteien haben keinerlei  Deeskalation betrieben, ganz im Gegenteil. Es gab sogar 2 Eskalationsstufen, im Grunde „Teilschlägereien”. Beide endeten für den einen Kontrahenten mit einer Verletzung (Nasenbeinbruch) und jeweils mit einer Niederlage. Der 3. und letzte Akt war RACHE! Der Verlierer folgte seinem Kontrahenten und stach mit einem Schraubenzieher auf seinen Gegner ein. Das war ein lebensbedrohender Angriff. Der mögliche Tod des anderen wurde dabei in Kauf genommen. Stiche sind tendenziell lebensbedrohlicher als Schnitte.

Anhand der Trefferzone (Schulter & Nacken!) ersieht man, daß der Angriff von hinten, oder schräg seitlich geführt wurde. Das Opfer hat die Waffe und den Angriff nicht rechtzeitig wahrgenommen. Eine effektive Gegenwehr war somit kaum möglich, insbesondere nach dem ersten 1-2 Stichen. Messerangriffe & Angriffe mit sonstigen Stich- und Schnittwaffen werden zumeist  überraschend bzw. aus dem Hinterhalt und mit höchster Vehemenz ausgeführt.

Die tollen Messerabwehren aus den Kampfkünsten und Selbstverteidigungskursen versagen da jämmerlich. Eine Entwaffnung des Angreifers ist in solchen Fällen praktisch unmöglich.

Empfehlung:

Solltest du jemals in eine Schlägerei verwickelt werden, dann schalte dein Ego ab und flüchte so schnell es geht, auch wenn du „der Sieger” bist. Verständige umgehend die Polizei. Dein Gegner könnte dir folgen und dich mit einem Messer oder ähnlichem aus dem Hinterhalt angreifen, oder  mit ein paar Freunden zurückkommen.  Das ist die Realität ausserhalb des Trainingsraums.

Tags:Angreifer, Gastwirt, Messer, Messerangriff, Opfer, professionelles Sicherheitsmanagement, Selbstverteidigung, Streit

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